Der Bundestag als Bühne für Homophobie?

Für den 22. bis 25. September 2011 hat sich Papst Benedikt XVI. zum Deutschlandbesuch angemeldet. Der Ältestenrat hat heute dem Ansinnen des Papstes zugestimmt in dem Rahmen auch eine Rede vor dem Deutschen Bundestag zu halten. Die Einladung ist völlig unverständlich. Der Bundestag macht damit einen Kniefall vor einem Religionsführer, der keinen Zweifel daran lässt, dass er wesentliche Grundlagen unserer Verfassungs- ordnung wie Gleichberechtigung und Diskriminierungsverbot ablehnt. Soll das Parlament die Bühne des Papstes für seine homophoben und frauen- feindlichen Äußerungen sein?

Benedikt XVI. hat Entscheidungen des Deutschen Bundestages wie die Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft als „Legalisierung des Bösen“ geschmäht. Er verneint die Gewissenfreiheit von katholischen Abgeordneten, wenn er ihnen ultimative Befehle zum Abstimmungsverhalten über gleichgeschlechtliche Partnerschaften gibt. Der Papst hat nie eine Gelegenheit ausgelassen, Lesben und Schwule herabzuwürdigen und ihnen gleiche Rechte abzusprechen.

Die als offizieller Staatsbesuch angekündigte Reise ist der dritte Besuch des Papstes in Deutschland. Auf Einladung von Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) sollte der Papst schon bei seinem letzten Besuch 2006 eine Rede im Deutschen Bundestag halten. Damals hatten Bündnis 90/Die Grünen gefordert, der Papst dürfe nur als Staatsoberhaupt sprechen und sich weder in die deutsche Innenpolitik einmischen noch Themen wie Aids-Prävention, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und Abtreibungsregelungen kommentieren. Daraufhin hat der Papst auf die Rede im Bundestag verzichtet.

Manfred Bruns, LSVD-Bundesvorstand



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