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Call for Contributions für das Projekt „Kulturen und Kolonialismus“ der Hirschfeld-Eddy-Stiftung

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Von den spirituellen Beschützern der philippinischen Ureinwohner, den Babaylan, bis hin zu den Ogbanje in Nigeria hat es im Laufe der Geschichte überall eine Vielfalt an sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten gegeben.“* Das Wissen über diese Kulturen der Offenheit ist verschüttet, verdrängt und wenig erforscht.

Denn der Kolonialismus setzte dem ein gewaltsames Ende. Die kolonialen Rechtssysteme, abgeleitet vom britischen, französischen oder auch wilhelminischen Recht, führten strenge Sexual- und Geschlechternormen ein und kriminalisierten Homosexualität. Missionsschulen legitimierten die Umerziehung und Verdrängung der Kulturen, erzwangen preußische und viktorianische Sexualmoral. Homosexuelles Verhalten wurde dämonisiert.

Ab den 1950er Jahren erkämpften sich die kolonisierten Staaten die Unabhängigkeit. Aber die Geschlechterverhältnisse und Sitten betreffenden Normierungen blieben weitgehend unangetastet. Erst Ende der 2010er Jahre gelang es bspw. in Botsuana und Indien, sich vom britischen Kolonialrecht zu entfernen und Homosexualität zu entkriminalisieren. Im Juni 2024 beendete der Oberste Gerichtshof in Namibia das Verbot von gleichgeschlechtlichen Beziehungen.

Mit dem Projekt „Kulturen und Kolonialismus“ wollen wir:

  • die politische Aufarbeitung der europäischen Kolonialgeschichte mit der Advocacy-Arbeit für die Menschenrechte von LSBTIQ* verknüpfen,
  • zeigen, welche negativen Folgen die Kolonial- und Missionsgeschichte auf Geschlechterrollen und LSBTIQ* bis heute haben,
  • den Vorwurf des Neokolonialismus bezogen auf die Menschenrechtsarbeit für LSBTIQ* entkräften,
  • zeigen, dass Menschenrechtsarbeit für LSBTIQ* einen dekolonialen Ansatz haben muss und Kriterien dafür entwickeln.

Call for Contributions Das Projekt „Kulturen und Kolonialismus“ fragt deshalb:

  • Forschen Sie zu präkolonialen Geschlechterverhältnissen?
  • Forschen Sie zu den Folgen der Missionsgeschichte für Geschlechterrollen und Sexualnormen?
  • Haben Sie Erfahrungen mit dekolonialen Projekten in der internationalen Menschenrechtsarbeit oder Entwicklungszusammenarbeit?
  • Können Sie Kontakte zu Universitäten oder Forschungsgruppen in afrikanischen Staaten vermitteln, die zu LSBTIQ* arbeiten?

Wir sind uns bewusst, dass es sehr spezielle Fragen sind, und gerade deshalb freuen wir uns sehr über Ihre Hinweise. Bitte schreiben Sie eine Mail an sarah.kohrt @ hirschfeld-eddy-stiftung.de
Sarah Kohrt, Projektleitung, Hirschfeld-Eddy-Stiftung

* Das stellt der Unabhängige Experte der UN gegen Gewalt und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität (SOGI) in seinem Bericht von 2023 fest. (Eigene Übersetzung)

Links

Projektwebsite

Eine Information im Rahmen des Projekts „Kulturen und Kolonialismus - Der Kampf um die Menschenrechte von LSBTIQ* im Licht der Debatte um Dekolonisierung“ der Hirschfeld-Eddy-Stiftung

BMJ
HES


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