Coming-out mit fresh-Südhessen

Jung, auf dem Land und schwul, bisexuell oder lesbisch? Was nun? Warten, dass man alt genug wird, um in die nächste Großstadt zu ziehen? Und bis dahin? Nur das Internet, um an- dere Schwule und Lesben kennenzulernen, die mög- licherweise kilometerweit weg wohnen? Und was, wenn man gar nicht wo- anders leben möchte? Jugendliche in Südhessen müssen weder warten, noch allein bleiben. Denn dort gibt es LSVD-fresh.

Wir ermöglichen persönliche, reale Treffen und neue Freundschaften. Statt ‚künstlicher’ Kontakte im Internet, ist es viel besser rauszugehen, Freude an Begegnungen mit ‚echten’ Menschen zu haben, gemeinsam zu quatschen und vom Alltag abzuschalten“, so verdeutlicht Kevin Fäth, der Gruppenleiter, das Anliegen von fresh-Südhessen. Seit September 2007 treffen er und seine Freundinnen und Freunde sich regelmäßig, um gemeinsam etwas zu unternehmen, sich über Schul- oder Berufsalltag, den neusten Schwarm oder Liebeskummer auszutauschen. Wichtig ist einfach, zusammen eine gute Zeit und Spaß zu haben. Sei es bei den monatlichen Stammtischen in der Darmstädter Havana-Bar bzw. in der Frankfurt Szene oder bei den vielen Freizeitreffs, gemeinsamen Kino- und Kegelabenden oder zahlreichen Festen in der Umgebung.

Mitmachen kann jede und jeder: fresh hilft Jugendlichen, sich in die Gruppe zu integrieren. Kevin betont: „Neuinteressierten bieten wir immer an, sie abzuholen und gemeinsam zum Treffen zu gehen. Wird man begleitet, fühlt man sich von Anfang an nicht allein. Hilfe bietet auch ein Bericht auf der Homepage, in dem Constanze schreibt, was ihr alles vor und während des ersten Stammtischbesuchs durch den Kopf ging.“ Das Team von fresh ist Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Coming-out, Homosexualität und Safer Sex, ermöglicht jungen Lesben und Schwulen Beratung, Anschluss und Unterstützung. „Es kommen viele Anfragen von Jugendlichen, die sich gerade erst geoutet haben oder kurz davor sind. Für alle Themen gibt es eine Ansprechperson. Denn bei fresh machen nicht nur Homosexuelle mit. Gudrun bietet sich beispielsweise an, anderen vom Coming-out ihres Sohns zu berichten. Manuela erzählt von ihren Erlebnissen, wenn Geschwister nicht wissen, wie sie mit ihrer lesbischen Schwester bzw. ihrem schwulen Bruder umgehen sollen. Und Alex erzählt vom Coming-out seines besten Freundes, das ihrer Freundschaft keinen Abbruch getan hat.“, so schildert Kevin den Alltag der Gruppe.

Bei den Treffen von fresh, geht es jedoch auch darum, in der Öffentlichkeit gemeinsam als Homo- sexuelle sichtbar und aktiv zu werden. Denn dass das Leben nicht immer einfach ist, wissen die meisten Mitglieder aus eigener Erfahrung: „Viele von uns haben schon negative Erfahrungen gemacht, erlebten angewiderte Reak- tionen und Beleidigungen. Ein Stammtischbesucher wurde mitsamt den Fahrgästen von einem Busfahrer als ‚Schwuchteln’ beschimpft. Auch eigene Eltern machen einem manchmal nicht gerade viel Mut, reagieren mit Unverständnis oder Abneigung. Ein paar, die noch zur Schule gehen oder studieren, werden oft beleidigt. Typische Schimpfwörter fliegen dann durch die Luft. Das ging bis hin zu systematischem Mobbing und körperlicher Gewalt. Jemand von uns wurde bereits von einer Neonazigruppe krankenhausreif geprügelt. Die Täter bekamen lediglich eine milde Geldstrafe. Eben dieses Problem gibt es, wenn Richter oder Staatsanwaltschaft selbst homophob sind, die vielleicht denken‚ ist doch nicht so schlimm, war doch nur ‘ne Schwuchtel’.“ Umso wichtiger werden dann der Rückhalt und die Unterstützung in der Gruppe, um den negativen Bildern und Erlebnissen etwas entgegen zu setzen. Die Gruppe hilft dabei ein selbstbewusstes, offenes und wertschätzendes Leben als lesbischer oder schwuler Teenager zu führen. Sie gibt nicht nur Kraft, um kritische Alltagssituationen zu bestehen, sondern auch um offensiv für die Rechte von Lesben und Schwulen auf- und einzutreten. Immer wieder ist auch die Schule Thema, so Kevin: „Ein sehr großes Problem ist Homophobie an Schulen. Ein bundesweit einheitliches Programm für die Behandlung dieser Themen im Unterricht wäre wichtig, da viele gar nicht wissen, was Homosexualität eigentlich bedeutet.“ Und was wünscht sich fresh Südhessen noch? „Viel mehr regionale Gruppen. Zumindest in jedem Landesverband sollte es eine aktive fresh-Gruppe geben.“ Der LSVD hilft, wo er kann. Denn zu uns gehört auch die Jugend. Nicht nur in Südhessen.

Kontakt:
www.fresh-suedhessen.de
hallo@fresh-suedhessen.de

Markus Ulrich, LSVD



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