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Die Liebe ist absolut und fragt nicht nach dem Geschlecht.”

"Was ist eine Ehe?" - © LSVD BundesverbandBericht von der Veranstaltung „Was ist eine Ehe?“ vom 28.09.2015 in Berlin — eine Kooperation des LSVD und des Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte

Die Öffnung der Ehe ist und bleibt einer der zentralen Forderungen von Lesben und Schwulen. Vor wenigen Tagen hat der Bundesrat eine entsprechende Gesetzesinitiative zur Öffnung der Ehe an den Bundestag zur Beratung und Entscheidung überwiesen. Und auch im Bundestag könnte es inzwischen eine parlamentarische Mehrheit für die Öffnung der Ehe geben. Nur wenn es die #EheFürAlle gibt, erfahren auch gleichgeschlechtlich liebende Paare, die Wertschätzung und Akzeptanz, die bisher der Gesetzgeber nur heterosexuellen Paaren zugesteht — Gleiche Liebe, gleicher Wert, gleiches Recht.

Die Gegner_innen der Ehe lassen sich oft von tradierten Wertvorstellungen leiten, die nicht selten auf das christliche Menschenbild und die christliche Tradition rekurrieren. Die christlichen Kirchen sind in der Frage nach der Öffnung der bürgerlichen Zivil-Ehe tief gespalten. Während die Bischofssynode der katholischen Kirche gerade in diesen Tagen prüft, inwieweit die Moral- und Wertvorstellungen von den Gläubigen akzeptiert und gelebt werden, ist die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) oft schon weiter. So hat sich der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Prof. Dr. Heinrich-Bedford-Strohm für die Eheöffnung ausgesprochen und als entscheidendes Kriterium das verbindliche Füreinander einstehen benannt. In der Orientierungshilfe der EKD zur Familie wurde bereits 2013 klargestellt, dass verschieden- und gleichgeschlechtliche Paare gleich zu behandeln seien. Es gibt jedoch auch einige Akteure innerhalb der EKD, die sich auf einen traditionell-konservativeren Ansatz berufen – allerdings sind sie in der Minderheit. 

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Wie der Glaube den Journalismus vernebelt

Eine Replik auf “HOMO” von Markus Günther, erschienen in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 5. April 2015

Gastbeitrag von Albyn Frymuth

Dass ein katholischer Traditionalist wie Markus Günther der Marginalisierung der Homosexuellen das Wort redet, wundert kaum. Nichts anderes wohnt seinem Wunsche nach größerer Gelassenheit im Umgang mit den Benachteiligungen jener Minderheit inne.

Sein harmlos daherkommender Kommentar beginnt mit einer verunglückt komischen Etymologie des Wortes homo, über die sich nicht so recht schmunzeln lässt. Doch seine glaubensgeleitete Färbung der Fakten verlangt nach Widerspruch.

Günthers Darstellungen zum Religious Freedom Restoration Act des US-Bundesstaats Indiana, für den sich konservative Politiker, religiöse Aktivisten und ortsansässige Kirchen eingesetzt haben, negiert die mit dem Gesetz sanktionierte Diskriminierung Homosexueller.

Jenseits der fundamentalistischen Rechten haben sich auf breiter Front PolitikerInnen (nicht nur Hillary Clinton, wie der Autor zu suggerieren meint), Vorstände, KünstlerInnen, Schreibende, progressive Gläubige etc. empört bis feindselig über dieses maliziöse Werk geäußert.

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Neuer Ratgebertext für verpartnerte Beschäftigte der katholischen Kirche

Marienkirche zu Berlin - Foto: Caro KadatzZwang zur Geheimhaltung

Das Bundesverfassungsgericht hat mit seiner Entscheidung vom 22.10.2014 (2 BvR 661/12)  seine fast dreißig Jahre alte Rechtsprechung bestätigt, dass die Arbeitsgerichte die Vorgaben der katholische Kirche ungeprüft übernehmen müssen. Dieses Urteil ist angesichts der Vielfalt der Lebensweisen, die sich in Deutschland entwickelt hat, völlig unverständlich. Viele Menschen werden damit in Geiselhaft der katholischen Morallehre genommen, denn kirchliche Träger haben vielerorts praktisch ein Monopol bei Einrichtungen im Sozial‑, Gesundheits- und Erziehungswesen. Für Lesben und Schwule, die bei katholischen Trägern arbeiten, bedeutet das: Ihnen wird praktisch abverlangt, dass sie sich so tarnen und verstecken müssen wie in früheren Zeiten staatlicher Verfolgung. Sonst droht die Kündigung. Das ist einer demokratischen Gesellschaft unwürdig. Der LSVD kämpft dafür, dass zumindest der Gesetzgeber endlich die gesellschaftlichen Realitäten anerkennt und der unhaltbaren und unmenschlichen Praxis der Katholischen Kirche einen Riegel vorschiebt.

Dieser Kampf für eine grundlegende Veränderung im kirchlichen Arbeitsrecht braucht langen Atem. Wir sehen uns daher auch in der Verantwortung, denjenigen ehrlich mit Rat zur Seite zu stehen, die im Hier und Jetzt bei katholischen Trägern beschäftigt sind, auch wenn uns der Inhalt der Ratschläge in keiner Weise gefallen kann. 

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Saarbrücker Appell

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (c) Landeshauptstadt SaarbrückenMit dem Saarbrücker Appell bittet der LSVD Saar den Bischof von Trier, Herrn Dr. Stephan Ackermann, öffentlich zu erklären, dass in seinem Bistum Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche wegen Eingehung einer Eingetragenen Partnerschaft nicht länger eine Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses befürchten müssen. Dies sollte in jedem Fall für Beschäftigte in Krankenhäusern, Kindergärten, Bildungseinrichtungen, also in nicht verkündenden Berufen, gelten. Alle Fraktionen im Saarländischen Landtag und im Saarbrücker Stadtrat wurden über den Appell informiert. Wir dokumentieren den Brief der Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz an den Bischof Dr. Stephan Ackermann, mit dem sie den Appell unterstützt.

 

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Stephan Ackermann,

der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Saar ist an mich mit der Frage herangetreten, ob ich den Saarbrücker Appell unterstütze. Auch Bürgermeister Ralf Latz wurde hierzu angefragt. Der LSVD macht mit diesem Appell auf die Problematik aufmerksam, dass Homosexuelle, die bei der katholischen Kirche in nicht verkündenden Berufen beschäftigt sind, nach Bekanntwerden einer eingetragenen Lebenspartnerschaft von Kündigung bedroht sein könnten.

Unabhängig von der Frage, ob es bereits zu faktischen Kündigungen gekommen ist oder nicht, schränkt das drohende Risiko einer Kündigung die Freiheitsgrade der Betroffenen ein. Sie internalisieren die Möglichkeit einer Kündigung und stellen ihr Verhalten darauf ein. Mit anderen Worten: Sie können nicht zu ihrer sexuellen Identität und ihrer Partnerin oder ihrem Partner stehen. Darin sehe ich einen Widerspruch zum Prinzip des gleichberechtigten Zusammenlebens. 

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Katholische Kirche und Homosexualität

Bischof Ackermann in SaarbrückenLSVD trifft Bischof Dr. Ackermann

In seiner Veranstaltungsreihe „Wessen Segen brauchen wir?“ hatte der LSVD Saar auch den Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Saarbrücker Congresshalle eingeladen. Vor dem letzten Besuch von Papst Benedikt XVI. hatte ein Gespräch des LSVD Berlin-Brandenburg mit dem Berliner Bischof Rainer Maria Woelki noch hinter verschlossenen Türen im kleinen Kreis stattgefunden. Dies war nun die erste öffentliche Diskussionsveranstaltung.

Schon im Vorfeld hat diese Veranstaltung für große Aufmerksamkeit gesorgt. Der Bischof traut sich was, der hat Mut, der kann doch da keinen Blumentopf gewinnen, so die Reaktionen. Sehr wenige hatten damit gerechnet, dass Bischof Ackermann die Einladung annehmen und wirklich kommen würde. Bei einem Besuch des LSVD-Landesvorstandes ein Jahr zuvor im Trierer Bistum wurde das „Date mit dem Bischof“ abgesprochen.

Über 150 Interessierte kamen dann tatsächlich, darunter auch zahlreiche Journalisten und Journalistinnen von Lokalmedien bis hin zur dpa, dem Evangelischen Pressedienst und der Katholischen Nachrichtenagentur. Moderiert wurde die Veranstaltung sachlich, engagiert, aber auch witzig und unterhaltend vom Journalisten Christian Langhorst, der auch dem Vorstand des LSVD Saar angehört.

Die frohe Botschaft kam kurz vorm Schluss: Niemand könne sich für die „Homoheilung“ auf die katholische Kirche berufen. Homosexualität sei auch für die Kirche keine Krankheit. Das sei nicht nur seine Meinung, sondern es gebe „keine amtliche Rückendeckung für Homoheilung“. Die katholische Kirche und ihre Angestellten treten Homo‑, Trans- und Intersexuellen „mit Respekt und Wertschätzung, nicht ablehnend“ gegenüber. Getroffene Hunde bellten schon am nächsten Tag im Netz: Der Bischof würde ihre Arbeit nicht unterstützen, Homosexuelle auf den erwünschten Weg zur Heterosexualität zu bringen. Da haben sie recht. Es gibt nach Bischof Ackermann nichts zu heilen: „Ich muss meine sexuelle Identität annehmen, wie immer sie auch aussehen mag.“ Eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit, aber von Bischöfen bislang selten zu Gehör gebracht.

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#HomoHeilerGate im Südharz

Landesbischöfin Junkermann: Homosexualität ist gute Schöpfung GottesFundamentalistischer Verein Leo mit Seilschaften in die CDU

Homosexualität genau wie Depression eine „psychische Erkrankung“? „Schritte aus einem zwanghaften Gefühl“ als Seminarangebot für Lesben und Schwule? Der Verein Leo aus dem Südharz möchte offenbar auch die Umkehr auf den heterosexuellen Pfad der Tugend begleiten. In seinem „wissenschaftlichen“ Beirat sitzt dann auch Gerard van den Aardweg. Für diesen Scharlatan ist Homosexualität lediglich neurotisches Selbstmitleid und von „Betroffenen“ zu bekämpfen. Nach monatelangen Recherchen und der Unterstützung durch das LSVD-Projekt Mission Aufklärung sowie durch den LSVD Sachsen-Anhalt  veröffentlichte der MDR einen Beitrag über die gewagten wie gefährlichen Ansichten dieser sogenannten Gesellschaft für Lebensorientierung. Unter dem Schlagwort #HomoHeilerGate zog der Fall Kreise bis in die Spitze der Regierungspartei CDU.

Alte Bande, krude Thesen

Der Verein Leo wurde von Bernhard Ritter gegründet, ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter und schon damals mit religiös-verbrämter Homophobie aufgefallen. Im Kuratorium sitzen mit dem ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten und heutigen Bundestagsabgeordneten Christoph Bergner, dem ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Scharf und seinem Nachfolger André Schröder prominente Gesichter der Partei von Ministerpräsident Haseloff. Wir vom LSVD Sachsen-Anhalt protestierten lautstark. Therapieangebote sind gefährlicher Unsinn und verunsichern insbesondere lesbische und schwule Jugendliche. Diese benötigen vielmehr Anerkennung und persönliche Unterstützung. Es ist die Pflicht der Landesregierung für ein diskriminierungsfreies Umfeld zu sorgen. Die Denunzierung von Homosexualität als psychische Krankheit oder sündhaftes Laster ist alles andere als hilfreich. Eine Unterstützung durch CDU-Prominenz? Unglaublich!

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Homohass ist unchristlich

Homohass_ist_unchristlich (7)Premiere des Chorals von Michael Maria Ziffels am Pfingstsonntag in der Zwölf-Apostel-Kirche  in Berlin-Schöneberg anlässlich der Nacht der offenen Kirchen

1. STROPHE

Gott ist vollkommen:
Geist, Sein, Erkennen, Lieben,
unendlich tief, unendlich weit,
Der Mensch, sein Ebenbild,
muß lieben und verstehen üben:
Das ist sein Wesen und sein Heil.

2. STROPHE

Ob Frau und Mann
ob Mann und Frau
ob Frau und Frau
ob Mann und Mann
einander erkennen und sich lieben,
stets sind sie Mensch und Gottes Ebenbild geblieben. 

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Kirche verändert sich ständig“

Dr. Michael BrinkschroederRückbesinnung auf Familienwerte — Kirchen, Homosexualität und Regenbogenfamilien

Dr. Michael Brinkschröder, katholischer Theologe, Soziologe und Co-Präsident des „European Forum of LGBT Christian Groups“ ist optimistisch. In einem wahren Überraschungscoup habe Papst Franziskus den nationalen Bischofskonferenzen einen Fragebogen zur kommenden Familiensynode geschickt. Darin waren auch Fragen zum Umgang mit Homosexualität enthalten. Das Ergebnis der Befragung in den deutschen Bistümern wurde von der Bischofskonferenz zusammengefasst. 98 Prozent der Gläubigen wünschen sich mehr Akzeptanz für Homosexuelle, sie befürworten die rechtliche Gleichstellung mit der Ehe als Gebot der Gerechtigkeit, auch wenn sie mehrheitlich eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ablehnen. 

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LSVD-Verbandstag: Resolutionen und Vorträge am Sonntag

6. April 2014, der zweite Tag des 26. LSVD-Verbandstags

Manfred Bruns (LSVD-Bundesvorstand) - Foto: Caro KadatzAm Sonntag stellte LSVD-Bundesvorstand Manfred Bruns dem Verbandstag die Resolution „Katholische Kirche muss Worten auch Taten folgen lassen: Verantwortung übernehmen für die Menschenrechte und gegen Diskriminierung“ vor. Darin fordert der LSVD die deutschen Bischöfe und alle Verantwortlichen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland auf, die Ausgrenzung von Homosexuellen und Transgender zu beenden und sich in der internationalen Arbeit gegen Verfolgung und Hass einzusetzen. Die jüngsten Äußerungen des Papstes Franziskus, so Bruns, seien zwar neue Töne, aber sie könnten nur ein erster Schritt sein, dem die Übernahme von Verantwortung für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender auf der ganzen Welt folgen müsse.

Die Resolution „Katholische Kirche muss Worten auch Taten folgen lassen“ fordert zudem, die Diskriminierung im Arbeitsrecht zu beenden. Sie wurde einstimmig angenommen. 

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Veranstaltungen Verband

Freiheit ist ansteckend

Freiheit, Gleichheit und Respekt — Berliner Manifest gegen Homophobie und Transphobie

Beschluss vom 26. LSVD-Verbandstag (Berlin, April 2014)

Berliner Manifest LogoFür eine demokratische Gesellschaft sollte es Standard sein, dass Lesben, Schwule und Transmenschen als gleichberechtigter Teil gesellschaftlicher Normalität gelten. Das ist in Deutschland offensichtlich noch nicht der Fall. Noch immer gibt es nicht die gleichen Rechte. Die Debatten der letzten Monate über öffentliches Coming-out, über Forderungen nach (Re-)Tabuisierung der Existenz von Lesben und Schwulen und die Legitimität von Diskriminierung zeigen: Homophobie ist nach wie vor virulent.

Gleichzeitig ist es ermutigend, wie viele Stimmen sich in der Öffentlichkeit gegen Homophobie stark machen. Lesben, Schwule und Transgender sind nicht auf sich allein gestellt. Es ist eine historisch höchst bedeutsame Zäsur, dass sich heute eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland stabil für Gleichberechtigung und  Anerkennung ausspricht, dass die Mehrheit der Menschen in einer Gesellschaft der Freien und Gleichen leben will ohne Diskriminierung und Herabwürdigung von Lesben, Schwulen und Transmenschen.